Abrechnungsempfehlungen der Bundesärztekammer

Veröffentlichung: Deutsches Ärzteblatt | Jg. 117 | Heft 26 | 26. Juni 2020

  • Sitzung vom 14./15.05.2020: telemedizinische Leistungen
  • Sitzung vom 07.05.2020: Druckmessungen zur Bestimmung der fraktionellen Flussreserve (FFR)
    und/oder der „instantaneous wave-free ratio“ (iwFR) analog Nr. 649 GOÄ / Vestibulär evozierte myogene Potenziale (VEMP), zervikale (cVEMP) und/oder okuläre (oVEMP) Ableitung, auch beidseits analog Nr. 1408 GOÄ

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PVS-Abrechnungsempfehlungen

Abrechnung von Gesprächsleistungen nach GOÄ-Nr. 4, 34 und 849

Fast bei jedem Arzt-Patient-Kontakt findet ein Gespräch statt. Selbst kleinere Optimierungen der Abrechnung im Bereich der sprechenden Medizin können daher deutliche Auswirkungen haben.

Für viele Gesprächsleistungen ist die GOÄ-Nr. 1 anzusetzen, bei längeren Beratungen über 10 Minuten ggf. die GOÄ-Nr. 3. Nicht vergessen werden sollten jedoch die höherwertigen Beratungsleistungen, wie die GOÄ-Nr. 4, GOÄ-Nr. 34 und GOÄ-Nr. 849. In diesem Refresher möchten wir diese Beratungsleistungen noch einmal kurz in Erinnerung rufen.

GOÄ-Nr. 4 (Erhebung der Fremdanamnese über einen Kranken und/oder Unterweisung und Führung der Bezugsperson(en) – im Zusammenhang mit der Behandlung eines Kranken. Die Leistung nach Nummer 4 ist im Behandlungsfall nur einmal berechnungsfähig. Die Leistung nach Nummer 4 ist neben den Leistungen nach den Nummern 30, 34, 801, 806, 807, 816, 817 und/oder 835 nicht berechnungsfähig.)

Voraussetzung für die Berechnung der GOÄ-Nr. 4 ist, dass eine Fremdanamnese oder eine Unterweisung der Bezugsperson durchgeführt wurde. Der Punktwertvergleich und der Blick in die Amtliche Begründung zeigen, dass die Leistung im Vergleich zur GOÄ-Nr. 1 besonders aufwändig gewesen sein muss. Nicht jede Fremdanamnese und nicht jedes Gespräch mit Angehörigen kann also mit der GOÄ-Nr. 4 berechnet werden. In weniger aufwändigen Fällen muss daher eine Fremdanamnese oder ein Angehörigengespräch mit der GOÄ-Nr. 1 oder 3 berechnet werden. Eine Nebeneinanderberechnung der GOÄ-Nr. 1 und 4 ist möglich, wenn neben der Beratung des Patienten eine besonders aufwändige Fremdanamnese oder Unterweisung der Bezugsperson durchgeführt wurde. Hierbei muss der Patient verständig genug gewesen sein, selbst Ziel der Beratungsleistung nach GOÄ-Nr. 1 zu sein, beispielsweise ist dies nicht der Fall bei Kleinkindern und Säuglingen. (Q1)

GOÄ-Nr. 34 Erörterung (Dauer mindestens 20 Minuten) der Auswirkungen einer Krankheit auf die Lebensgestaltung in unmittelbarem Zusammenhang mit der Feststellung oder erheblichen Verschlimmerung einer nachhaltig lebensverändernden oder lebensbedrohenden Erkrankung – gegebenenfalls einschließlich Planung eines operativen Eingriffs und Abwägung seiner Konsequenzen und Risiken –, einschließlich Beratung – gegebenenfalls unter Einbeziehung von Bezugspersonen. Die Leistung nach Nummer 34 ist innerhalb von 6 Monaten höchstens zweimal berechnungsfähig. Neben der Leistung nach Nummer 34 sind die Leistungen nach den Nummern 1, 3, 4, 15 und/oder 30 nicht berechnungsfähig.

Voraussetzung für die Berechnung der GOÄ-Nr. 34 ist, dass eine Erkrankung oder eine erhebliche Verschlimmerung einer Erkrankung festgestellt wurde. Zudem muss die Erkrankung entweder nachhaltig lebensverändernd oder lebensbedrohlich sein. Beispiele sind die Erstdiagnose oder Verschlimmerung von Asthma bronchiale oder eines Diabetes mellitus. Auch ein Aufklärungsgespräch vor Eingriffen bei nachhaltig lebensverändernden oder lebensbedrohlichen Erkrankungen, beispielsweise vor Implantation von Knie- oder Hüft-TEPs oder Dekompression von Nervenwurzeln an der Wirbelsäule, kann bei Vorliegen aller Abrechnungsvoraussetzungen mit der GOÄ-Nr. 34 berechnet werden. (Q2, Q3)

GOÄ-Nr. 849 Psychotherapeutische Behandlung bei psychoreaktiven, psychosomatischen oder neurotischen Störungen, Dauer mindestens 20 Minuten.

Die GOÄ-Nr. 849 kann nicht nur von Psychiatern und Psychotherapeuten, sondern vielmehr von allen Ärzten, die unmittelbaren Kontakt zu ihren Patienten haben, berechnet werden. Wird eine Behandlung von mehr als 20 Minuten durchgeführt, beispielsweise, wenn eine psychische Störung bei organischer Erkrankung vorliegt oder eine Wechselwirkung zwischen organischer Erkrankung und psychischer Störung anzunehmen ist, so kommt die Berechnung der GOÄ-Nr. 849 in Frage.

Q1: www.bundesaerztekammer.de/aerzte/gebuehrenordnung/goae-ratgeber/abschnitt-b-grundleistungen-und-allgemeine-leistungen/einbeziehung-bezugsperson/
Q2: www.bundesaerztekammer.de/aerzte/gebuehrenordnung/goae-ratgeber/abschnitt-b-grundleistungen-und-allgemeine-leistungen/nachhaltig-lebensveraendernde-erkrankungen/
Q3: www.bundesaerztekammer.de/aerzte/gebuehrenordnung/goae-ratgeber/abschnitt-b-grundleistungen-und-allgemeine-leistungen/spezielle-beratungsleistung-nach-nr-34-goae-ii/

Wann sind mehrere Abstriche, die im zeitlichen Zusammenhang stehen abrechnungsfähig?

Uns erreichte die Frage, inwieweit mehrere Abstriche welche im zeitlichen Zusammenhang erbracht wurden, abrechenbar sind.

Verschiedene Quellen beschäftigen sich mit der Mehrfachberechnung der GOÄ-Nr. 297 (Entnahme und Aufbereitung von Abstrichmaterial zur zytologischen Untersuchung – gegebenenfalls einschließlich Fixierung –) und der GOÄ-Nr. 298 (Entnahme und gegebenenfalls Aufbereitung von Abstrichmaterial zur mikrobiologischen Untersuchung – gegebenenfalls einschließlich Fixierung –). Aufgrund der Ähnlichkeit der entsprechenden Leistungen lassen sich viele gebührenrechtliche Ausführungen zur GOÄ-Nr. 297 oder 298 auf die jeweils andere übertragen.

Bei oberflächlicher Betrachtung der Kommentarliteratur könnte der Eindruck entstehen, dass eine Mehrfachberechnung generell nicht möglich sei. So könne laut Kommentar des Deutschen Ärzteverlages die GOÄ-Nr. 297„im zeitlichen Zusammenhang für die Entnahme von Abstrichmaterial von einer Körperstelle ... nur einmal berechnet werden“. Der Kommentar Hoffmann/Kleinken aus dem Kohlhammerverlag schreibt zur GOÄ-Nr. 297, dass bei ein und derselben Körperregion, „auch mehrere Abstriche aus dieser Körperregion nur einmal ... abrechnungsfähig“ seien.

Befasst man sich eingehender mit dem Thema, wird deutlich, dass ein pauschales Ablehnen der Mehrfachberechnung von GOÄ-Nr. 297 und 298 jedoch nicht haltbar ist. So verweist der Kommentar Hoffmann/Kleinken in seinen weiteren Ausführungen darauf, dass die Frage nach der Körperregion danach zu beurteilen sei, „ob getrennte Abstrichentnahmen und deren getrennte Aufbereitung und anschließende ... Untersuchung medizinisch erforderlich sind“. Deutlicher wird der Beschluss des Gebührenordnungsausschusses der BÄK von 1997 zur der Frage der Mehrfachberechnung von Abstrichen: Zwar wird hier ausgeführt, dass bei Abstrichentnahme eines Materials die entsprechende Ziffer nur einmal berechnet werden könne. Bei unterschiedlichen Materialien sei dagegen eine Mehrfachberechnung möglich. Entscheidend ist daher die Definition des Begriffes „Material“ der BÄK im Zusammenhang mit Abstrichen: Unterscheiden sich das Leistungsziel oder die Art der Durchführung, d. h. erfolgt eine getrennte Entnahme, Aufbereitung und weitere Untersuchung, kann von verschiedenen Materialien gesprochen werden.

Prüfkriterien
Entsprechend des Beschlusses der BÄK können also folgende Prüfkriterien im Hinblick auf die Mehrfachberechnung der GOÄ-Nr. 297 und 298 formuliert werden:

1. Erfolgt die Entnahme aus unterschiedlichen Körperregionen?  
2. Unterscheidet sich das Leistungsziel der durchgeführten Abstriche?
3. Unterscheiden sich die durchgeführten Abstriche in der Art der Durchführung (getrennter Entnahme, Aufbereitung und weiterer Untersuchung)?

Mögliche Mehrfachberechnung
In der klinischen Praxis können Abstriche in verschiedenen Konstellationen in zeitlichem Zusammenhang erbracht werden. Treffen in einer dieser Konstellationen ein oder mehrere der drei genannten Kriterien zu, wäre dies eine argumentative Basis für eine Mehrfachberechnung.

Beispiele, in denen eine Mehrfachberechnung möglich sein kann:

1. Entnahme zweier Abstriche zur PCR-Testung auf COVID-19, ein Abstrich aus Rachensekret sowie ein Abstrich aus Bronchialsekret.        
2. Entnahme jeweils eines Abstriches aus dem Nasopharynx für einen COVID-19-Antigen-Schnelltest und zur PCR-Testung auf COVID-19.                            
3. Entnahme zweier direkt aufeinander folgender Abstriche (mit getrennter Entnahme, Aufbereitung und Untersuchung) aus dem Nasopharynx zur PCR-Testung auf COVID-19      
 

Grundvoraussetzung für eine Mehrfachberechnung ist selbstverständlich die medizinische Notwendigkeit für mehrere Abstriche bzw. Untersuchungen. Ob beispielsweise tatsächlich eine medizinische Notwendigkeit zur Durchführung zweier PCR-Untersuchungen von Abstrichen von einer Körperstelle in zeitlichem Zusammenhang vorliegt, wäre an anderer Stelle zu diskutieren.

Viele Unternehmen haben infolge der Pandemie für ihre Mitarbeiter Arbeitsplätze im Homeoffice eingerichtet.

Wie sind Unfälle im Homeoffice einzuordnen?
Häufig wird verkannt, dass Unfälle im häuslichen Umfeld im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit genauso gesetzlich unfallversichert sind wie Unfälle in der Betriebsstätte. Maßgebend für die Beurteilung ist nicht der Ort der Tätigkeit, sondern die Frage, ob der Unfall im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit steht.

Sie sollten daher bei Unfällen stets den genauen Hergang erfassen und den Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit klären.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung nennt als Beispiel die Überprüfung der unterbrochenen Internetverbindung im Keller, bei der der Versicherte die Treppe hinunterstürzt und sich verletzt. In diesem Fall greift die gesetzliche Unfallversicherung. Nicht gesetzlich unfallversichert sind hingegen Verrichtungen, die aus privaten Gründen vorgenommen werden.

Keine Budgetierung
Verschenken Sie kein Honorar. Die Abrechnung mit dem Unfallversicherungsträger unterliegt im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung keiner Budgetierung.

Sofern die Verletzung nicht über den Unfalltag hinaus zur Arbeitsunfähigkeit führt oder die Behandlungsbedürftigkeit voraussichtlich nicht länger als eine Woche beträgt, ist keine Vorstellung beim Durchgangsarzt erforderlich (§ 26 Abs. 1 Satz 1 UV-GOÄ).

Der Unfall muss dem UV-Träger spätestens am nächsten Werktag der ersten Inanspruchnahme über die ärztliche Unfallmeldung (F 1050) gemeldet werden (§ 14 Abs. 1 UV-GOÄ). Die Unfallmeldung wird über die Nummer 125 UV-GOÄ mit € 8,59 vergütet. Alle weiteren Einzelleistungen können Sie unbudgetiert abrechnen.